M E D I E N FIN /1

LIQUID MUSIC - MEDIEN

LIQUID MUSIC - FIN /1 

Symbolbilder (c) Heimo Ranzenbacher

LIQUID MUSIC - FIN /1 

Werner Jauk (c) Ars Electronica

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Liquid Music – FIN /1

7. 8. 9. Juni 2018

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www.liquid-music.org

 

Liquid Music, ist eine an Medienkunst orientierte Experimentierplattform, auf der in den vergangenen 20 Jahren jährlich bis zu drei Kunstprojekten realisiert und kommuniziert wurden. Leitung: Heimo Ranzenbacher.

 

Von 1998 bis 2016  war das obersteirische Judenburg Heimat von Liquid Music. 2016 begann mit dem Programm FIN /3 der finale Countdown; das Programm FIN /2 (2017) fand in Kooperation mit der Kulturinitiative Kürbis in Wies statt; im 21. Jahr (2018) endet mit FIN /1 das Unterfangen in Kooperation mit LeibnitzKULT von 6. bis 9. Juni im ehemaligen Billa-Gebäude bei der Galerie Marenzi.

 

Für FIN /1 wurde der Grazer Künstler und Wissenschaftler/Theoretiker Werner Jauk eingeladen, eine Arbeit zu entwickeln – i.Transgression. Um diese Hauptarbeit und um die Darlegung des künstlerischen und theoretischen Schaffens des Künstlers herum werden in den drei Tagen der Veranstaltung künstlerische und theoretische Beiträge gruppiert, die mit der Hauptarbeit verwandte Seiten aufweisen.

Diese Beiträge stammen von der Soziologin Elli Scambor, der (Kunst-)Theoretikerin und Musikerin Margarethe Maierhofer-Lischka, dem Künstler Fränk Zimmer und Heimo Ranzenbacher, dem Leiter des Projektes Liquid Music.

 

Das Projekt einer KulturInitiative – KI = Künstlerischen Intelligenz – , die über die Perpetuierung künstlerischer und Kunst-kultureller Praktiken hinaus initiativ wirken will, steht dabei einmal mehr zur Diskussion.

 

Das Programm wird auf der FIN-Homepage von Liquid Music näher vorgestellt.

www.liquid-music.net

 

 

 

 

 

 

i.Transgression

Werner Jauk

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ProjektEntwurf (2017/2018)

 

i.Transgression (Arbeitstitel) ist eine Installation, welche die Überschreitung des eigenen Standpunktes als körperliche Erfahrung in ein multisensorisches Environment überträgt.

Ausgehend von der Theorie sozialer Inkorporation soll die körperliche Beziehung zu persönlichen (auch politisch) kulturellen Haltungen erlebbar werden. Vermittels Statements/Meinungen und Klangvorlieben/Musiken und deren Umdeutung als Folge von "Überschreitung" soll Körperlichkeit, wie sie in sozialen Prozessen Bedeutung erlangt, als ein interaktives Dasein in künstlerischen Prozessen realisiert werden. (siehe unten:  Das Setting / Spielfeld)

Die Vorstellung der Überschreitung von Feldern basiert auf Georges Batailles Begriff der Überschreitung als non-affirmative Bejahung und dem Feldbegriff von Pierre Bourdieu. Überschreitung als Teil kultureller Verhandlung wird vom interaktionistischen symbolischen Verständnis (George Herbert Mead) auf nonverbal-körperliche Handlung erweitert.

 

i.Transgression steht in einer Reihe von Arbeiten zwischen Wissenschaft und Kunst zu Gestaltung aus kommunikativem Verhalten, zu kollektivem und kollektivierendem Verhalten. Als ein Experiment in der aktuellen Form stellt i.Transgression selbst eine Überschreitung der bisherigen Schritte dar.

 

Theoretischer als kulturpolitischer Background : Die Pluralität des Ich

Auch wenn Überschreitung als individuelles Erlebnis artikuliert wird, ist es im Plural zu verstehen: Überschreitungen als Prozess von Interaktionen. Der Interaktionismus (vgl. G. H. Mead) hat diese gestaltende Lebensform beschrieben; das Ingenieursdenken der frühen Medienkunst hat diesen psychologischen Prozess im Sozialen auf mechanistisches Verhalten reduziert; die Definition der späteren net-art liest sich wie ein Zitat aus der Sozial-/Gruppen-Psychologie jener Tage: Interaktion als Verhalten, das zu kollektiven und kollektivierenden Prozessen führt. Auch die Reduktion solchen Ver-Handelns auf eine verbale symbolische Form hat sich überlebt – heute erklärt Interaktion eine intentionale Körper-Umwelt-Interaktion.

 

Interaktion und Partizipation auf körperlicher Ebene ist keiner der (tradierten) Künste so nah wie der Musik.

Klang als unmittelbarer Ausdruck emotionaler Betroffenheit durch Ereignisse der physischen und sozialen Umwelt gilt als der Ursprung musikalischer Gestaltung, radikalisiert zuletzt in der Welt des Digitalen als körperliches shaping des immateriellen digitalen Klanges.

 

Musik gilt als die volksnaheste und darin "politischste" Form der Künste – auch und nicht zuletzt in ihrem Gebrauch.

Das Spektrum reicht von der Funktion des Chors in der griechischen Tragödie

über die emotionale Bindung (des Volkes) an die Volksdiktatur des III. Reiches durch Volksmusik bis zur Emotionalisierung des Alltags durch "Sound" in allen Lebensbereichen neoliberaler wirtschaftsbasierter politischer Systeme. Dabei wirkt Sound nicht nur politisch affirmativ, sondern zugleich auch kritisch sensibilisierend. Ihren aktuellen Bezug zur "Volksnähe" bezieht Musik aus ihrer Emanzipation in den digitalen Technologien als Medien, die die Gestaltung des Alltags aus der homöostatisch natürlichen körperlichen Erregung heraus zu einer Kultur für every-body machen.

 

Ob der Transgression des Mechanistischen in der immateriellen digitalen Kultur gilt jedenfalls Musik (das Musizieren/Musik-Machen) zunehmend als Paradigma der Gestaltung von Virtualitäten aus kommunikativem Verhalten. Als Basis dafür erkennt eine derzeit bevorzugte (vielleicht optimistische) Sichtweise nicht rationale Entscheidungen, sondern zuerst erregungsbasierte Interaktionen zugunsten eines "Gleichgewichts" im System Mensch (verstanden als Regulativ von Ver-Handlungs-Prozessen), das einmal nicht aus der Macht der Mehrheit, sondern durch die Kraft der Diversität – die Pluralität des Ich – gelenkt werde.

 

Das Setting : Spielfeld

Das "Spielfeld" der Installation gliedert sich in zwei Felder. Eines, das sich aus den mitgebrachten Inkorporationen klanglicher Art gestaltet, das zweite, das aus der Überschreitung des ersten (in das zweite Feld) ein "neues" Feld öffnet, charakterisiert durch die multisensorische Umdeutung der Beiträge in Luft- und Lichtbewegungen, ev. auch Duft.

Voraussetzung und zentrales Element ist die Tatsache, dass Klang bewegt und dass PartizipientInnen durch das Klang-Environment der Installation bewegt werden und dadurch die Klänge neu formen.

 

PartizipientInnen laden persönlich präferierte Samples – "Lieblings"-Klänge und Statements/Meinungen Sprachfiles – in ein kommunikatives System, das sie durch ihre Bewegungen im Raum einmal hörend erfahren. Überschreiten sie dabei die Grenzlinie zum "neuen" Feld, werden diese Samples moduliert.

Im neuen Feld eröffnet sich Individuen die Möglichkeit,  auf der Basis ihrer bisherigen Inkorporationen die körperliche Gestaltung neuer Felder in gemeinsamer Bewegung zu erproben. Erfahren wird damit die metaphorische Vorstellung der "Bewegung" als soziale/politische Bewegung.

 

Das Projekt als Prozess

Die Installation steht in einer Reihe von künstlerischen Experimenten im Feld von Wissenschaft und Kunst, die sich mit der Erfahrbarkeit der Gestaltung aus kommunikativem Verhalten, von körperlicher Interaktion am Paradigma der Körper-Klangkoppelung befassen.

Klangfigur - Klang-Körper - Körper-Klang (Ranzenbacher / Jauk/Jauk-Hinz, 1991) dokumentierte das gestaltende Spiel mit kultureller und natürlicher Körperlichkeit zur kulturellen Gestaltung.

Para-sonic (Jauk, 2014) überträgt dies auf soziale Interaktion im Plural dynamischen Verhandlungsprozess

iHome (Jauk, 2015) führt soziale Interaktion dorthin weiter, wo aus institutionellen kulturellen Aktanten (Bruno Latour) wiederum Agenten werden.

 

 

 

 

 

Biografien

Members [Stand : Jänner 2018}

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Werner Jauk

(* 1953, Kapfenberg) Ao. Univ.-Prof. Dr. Werner Jauk,  Musikwissenschaftler / Psychologe und Medienkünstler an der Universität Graz.

Werner Jauk studierte Psychologie, Pädagogik und Philosophie an der Universität Graz. Danach war er Lehrbeauftragter für Experimentelle Ästhetik am Institut für Wertungsforschung der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz, ab 1982 Univ.-Ass. und ab 1995 Ass.-Prof. und Lehrbeauftragter für Systematische Musikwissenschaft.

1986 erfolgte die Gründung von grelle musik, einer Plattform zur Realisierung experimenteller Formen der akustischen und visuellen Künste.

2005 habilitierte er sich im Fach Musikwissenschaft mit der Habilitations-Schrift "Der musikalisierte Alltag der digital Culture" und wurde 2006 Ao. Univ.-Prof. an der Universität Graz.

Seit 1990 führten ihn mehrere Arbeitsaufenthalte an das IRCAM. In den Jahren von 1992 bis 1996 war er Mitglied der internationalen Jury des Prix Ars Electronica für die Sparte Computermusik. Sein Arbeitsschwerpunkt ist Kunst und neue Technologien einerseits und Kunst und Wissenschaft andererseits.

 

 

 

Elli Scambor

(* Tirol), lebt in Graz. Elli Scambor ist Soziologin und Geschäftsleiterin des Instituts für Männer- und Geschlechterforschung in Graz. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Männlichkeits-, Geschlechterforschung sowie Diversitäts- und Intersektionalitätsforschung. Sie ist mit der Koordination und Durchführung von Forschungsprojekten (EU-Studien, bilaterale Projekte, nationale und regional verortete Studien) und Arbeiten an der Schnittstelle von Sozialforschung und Medienkunst betraut (socialresearch-mediaart.mur.at; gemeinsam mit Fränk Zimmer). Sie war Scientific Expert und wissenschaftliche Koordinatorin der EU-Studie The Role of Men in Gender Equality und publizierte auf Basis dieser EU-Studie das Buch Bewegung im Geschlechterverhältnis? Zur Rolle der Männer in Österreich im europäischen Vergleich (2014, gem. mit N. Bergmann & C. Scambor). 2014 publizierte sie die Studie Zwischen Geschlechterdemokratie und Männerrechtsbewgung (gem. mit A. Kirchengast). Zuletzt: XXXXXXXXXXXXXXXXXXX

 

 

 

Margarethe Maierhofer-Lischka

(* 1984, Regensburg) studierte von 2004 bis 2012 Kontrabass und Musikwissenschaft in Dresden und Rostock. Von 2010 bis 2013 absolvierte sie ein Masterstudium „Performance Practice in Contemporary Music“ beim Klangforum Wien an der KUG Graz.

Seit 2013 ist sie Doktoratsstudentin an der KUG Graz und erforscht Hörinszenierungen in zeitgenössischen Musiktheaterwerken. Sie ist als freiberufliche Musikerin sowohl in klassischen Orchestern als auch mit zeitgenössischen Ensembles aus Deutschland, der Schweiz und Österreich aktiv und regelmäßig bei Festivals im europäischen In- und Ausland zu Gast (u. a. Lucerne Festival, musikprotokoll, Warschauer Herbst, Klangspuren Tirol).

2013 Mitbegründung des „Ensemble Schallfeld“ in Graz.

Gefördert wurde sie u. a. von der Stockhausen-Stiftung, der FAZITStiftung und der Richard-Wagner-Stipendienstiftung.

Ihr besonderes Interesse als Künstlerin gilt der zeitgenössischen und improvisierten Musik, und den Grenzbereichen zwischen Kunst und Technik.

Forschungsschwerpunkte: historische und zeitgenössische Musiktheaterformen, Aufführungspraxis, Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.

 

 

 

Fränk Zimmer

(* 1972, Luxemburg-Stadt) lebt in Stattegg bei Graz. Seit den 1990er Jahren setzte er sich mit der E-Gitarre und elektronischen Musikinstrumenten im Rock/Pop-Kontext auseinander. Nach einer technisch orientierten Ausbildung zum Kommunikationstechniker am Lycée des Arts et Métiers in Luxemburg folgten ab 1995 musikwissenschaftliche Studien an den Universitäten Graz und Wien. Nach intensiver Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik, freier Improvisation und Medienkunst arbeitet er seit 2002 freischaffend.

In zahlreichen Klang- und Medieninstallationsprojekten im öffentlichen Raum und in der Kunst gewidmeten Räumen setzte er immer wieder Open-Source-Soft- und Hardware ein: Pure Data, Processing, Arduino, Drupal, DIY Elektronik.

Schwerpunkte seiner aktuellen künstlerischen Arbeiten bilden die Verschränkung von Medienkunst mit angewandter Sozialforschung, Arbeiten rund um die Langzeitarchivierung von Informationen und Modellen von interaktiven Film-/Klanginstallationen.

Parallel zu seiner Tätigkeit als Medienkünstler arbeitet Fränk Zimmer als Producer und Co-Kurator des Festivals für zeitgenössische und experimentelle Musik, ORF musikprotokoll im steirischen herbst.

 

 

 

Heimo Ranzenbacher

(* 1958, Kapfenberg, Steiermark/A) lebt als freier Autor und Künstler in Wien und Graz. Er  besuchte in Graz die Höhere Technische Bundeslehranstalt Graz, Abt. Gebrauchsgrafik, und studierte Bühnenbild an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz. Seit 1982 ist Heimo Ranzenbacher brotberuflich als Freelancer bei Grazer Tageszeitungen zuerst im Kulturbereich, später (seit 1990) in der redaktionellen Gebietsbetreuung beschäftigt.

Von Heimo Ranzenbacher liegen diverse Veröffentlichungen zur Theorie und Praxis der Medienkunst in Büchern, Katalogen und Fachzeitschriften bzw. Herausgaben vor (zuletzt Liquid Music, 2007 und ALLtag, 2012, FIN /3 und FIN /2). Er ist mit Vorträgen bei vielen Symposien vertreten. In den Jahren 1996 bis 2009 war er Redakteur der Buchproduktionen der Ars Electronica, Linz.

1998 gründete er das Projekt Liquid Music, das er seither leitet.

Seit Anfang der 1980er-Jahre ist Ranzenbacher in Organisation und Durchführung diverser, vielfach mit Wissenschaft assoziierter Kunstprojekte tätig. Seine Arbeiten wurden im In- und Ausland (England, Singapore, Slowenien, Kroatien …) und im Rahmen von Festivals (Steirischer Herbst, Ars Electronica ... ) gezeigt.